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Kein Tagebuch

Hier soll kein Tagebuch entstehen. Mein normaler Tagesablauf ist wie bei den meisten Anderen auch relativ monoton. Das bringt der Alltag so mit sich. Dennoch gibt es manche Dinge die mich zum Nachdenken bringen. Hier will ich mit der Entstehung dieser Website beginnen.

Während meines Aufenthaltes in der Klinik habe ich oft, wenn ich die Möglichkeit hatte, verschiedene Webseiten die sich mit diesem Thema beschäftigen besucht. Für mich waren manche Berichte von Betroffenen sehr hilfreich. So etwas muss ich auch machen dachte ich damals. Der Name Schwermut war noch zuhaben, und so ließ ich Ihn eintragen. Nach der Entlassung aus der Klinik nahm mich mein Beruf wieder voll in Anspruch. Damit blieb diese Seite auch nur eine halbe Sache.

Seit einiger Zeit geht es mir nicht mehr gut. Ein Grund von außen kann ich nicht erkennen. Ich bin zwar ziemlich ausgebrannt, fast ein halbes Jahr Unterricht am Stück geben ist eine harte Sache. Eine Erkältung schleppe ich auch schon seit mehrer Wochen durch. Aber alles keine Gründe in die Depression zufallen. Eine Woche ohne Lehrgang wollte ich nutzen um endlich meine Erkältung los zu werden. Durch die Ruhe die ich hatte fiel ich weiter in die Depression. So begann ich diese Seiten neu zu schreiben, um mir, aber vielleicht auch Anderen zu helfen.

In letzter Zeit muss ich oft an einen ehemaligen Kursteilnehmer denken. Er besuchte bei uns eine Schulung die über mehrere Monate ging. Er war so etwas wie der Klassenkasper. Immer in bester Laune, zum jedem Unsinn bereit. Er hatte zwar private Probleme von denen alle wussten, doch sah es aus als würde er alles mit Humor nehmen. Die Schulung war zuende und wir verloren uns aus den Augen. Eines Tages las ich in der Zeitung seine Todesanzeige. Mit keinem Wort war aus der Anzeige herauszulesen das er sich umgebracht hat. Doch schon beim lesen der Todesanzeige war mir klar das er sich selbst umgebracht hat. Was mich noch heute schockiert ist, warum ich seine Depressionen nicht erkannt habe, aber sofort wusste das es Selbstmord war. Wollte ich es nicht merken oder konnte ich es nicht merken. War seine Maske zu perfekt? Ich hatte doch selber meine Maske auf. Ich musste doch in der Lage sein, hinter seine Maske zu schauen. Könnte er noch leben wenn ich richtig reagiert hätte. Es werden wohl immer Fragen bleiben, auf die wir keine Antwort mehr bekommen können.

Gestern habe ich an meinem Arbeitsplatz einen Blick in das 3222 geworfen. Ein Kollege sah auf den Bildschirm und meinte, das sei wohl ein heikles Thema. Da ich inzwischen ohne meine Maske lebe, kamen wir über das Thema Selbstmord in das Gespräch. Er begann zu erzählen, über verschiedene Selbstmorde die sich in seinem Bekanntenkreis ereigneten. Das freie Sprechen über das Tabuthema Selbstmord tat ihm gut. Nicht das er irgendwie gefährdet ist, aber Selbstmorde beschäftigen wohl jeden.

hartmut

2.1.2001

In den letzten Tagen war ich sehr angespannt. Es begann damit das am zweiten Weichnachtstag, dem Todestag von Elisabeth, das Forum geschlossen wurde. Den ganzen Tag habe ich überlegt ob ich ein Posting mit der Bitte um ein Gebet für Elisabeth abschicken soll. Das letzte mal das ich gebetet habe war an Ihrer Beerdigung. Seither kann, und will ich nicht mehr beten.  Das Forum bedeutet mir persönlich sehr viel. Die Forenmaster hatten die Sache sehr schnell im Griff. Ein neues Forum wurde sehr schnell als Provisorium gebastelt. Normalerweise gehe ich sehr selten in einen Chat, doch an diesem Abend war ich drin. Die Energie und der Elan in diesem Chat hat mich sehr beeindruckt. wenn diese Leute doch nur die gleiche Energie und den gleichen Elan für ihr Leben hätten. Viele halten sich wohl für unwichtig, doch sie sind es nicht. Sie kämpfen für etwas, was für sie wichtig ist, warum kämpfen sie sowenig für sich? Alex hatte einen Link auf das neue Forum gelegt, so das sich das Forum wieder sammeln konnte. Leider kam es dann zu Beschimpfungen und Bedrohungen gegen Alex. Es war eine sehr starke Überreaktion da. An ein vernünftiges Diskutieren war nicht mehr zu denken. Die Stimmung war schlimmer als der Satz "wer nicht für mich ist, ist gegen mich" beschreiben kann. Der Link wurde daraufhin von Alex entfernt. Ohne diesen Link war der Zusammenhalt der Forumsteilnehmer nicht mehr möglich. Wie können wir uns im WWW wieder zusammen finden. Ein Forum ohne Teilnehmer ist tot. Zum Glück brachten es einige fertig das der Link wieder auf die alte Seite kam. Das löschen der Foren hat in mir wieder etwas wie Kampfgeist geweckt. Nicht alles darf man sich gefallen lassen. Auf Alex sauer sein bringt nicht viel. Auch wenn ich jetzt in der Luft zerrissen werde, Alex hat aus seiner Position heraus richtig gehandelt. Es war nicht sehr schön, aber ich verstehe ihn, und kann seine Handlung nachvollziehen. Alex war das schmerzende Schienbein, aber der Tritt kam von Anderen.

Gegen diese Anderen, sprich Spiegel, RTL usw. müssen wir uns wehren. Deshalb habe ich eine eine Seite mit der Adresse http://www.medienente.de.vu/ in das Netz gestellt. Die Medien haben die Macht, Meinungen zu manipulieren. Die Betroffenen sind oft ohne die Möglichkeit sich zur Wehr zu setzen. Was hätte es gebracht Leserbriefe zu schreiben mit dem Tenor, macht eure Arbeit endlich einmal gewissenhaft, und produziert nicht solchen Müll. Ein höfliches Rundschreiben wäre als Antwort vielleicht gekommen. Auf dieser Seite habe ich einen Leserbrief an den Spiegel geschrieben und um öffentliche Antwort gebeten. Ob der Spiegel diese Antwort verweigert? Meine Hoffnung ist, das ein Ort entsteht, wo die Medien wirklich antworten können, und auch bereit sind, sich auf Diskussionen einzulassen. Das bisherige System wir berichten, und ihr habt zu glauben ist mir zu einseitig. Die wenigen Leserbriefe die erscheinen, sind mir etwas zu wenig. Gestern habe ich dann noch einige Beiträge in verschiedene Foren zu diesem Thema eingestellt.

 "Chac hat es geschafft!" habe ich heute morgen im Forum gelesen. Jedes mal wenn ich eine solche Meldung lese bin ich geschockt. Es ist ein Suizid-Forum, es muss, ob wir wollen oder nicht, immer damit gerechnet werden, das einer von uns am nächsten Tag nicht mehr lebt. Trotzdem ist es nicht leicht über die Meldung hinwegzugehen. Auch der Tod von Menschen, die ich nicht gekannt habe, an dessen Name ich mich nicht mal erinnere, schmerzt. Vielleicht schmerzt nicht einmal so der Tod, sondern mehr das Leiden davor. Auch die Gedanken an die Zurückbleibenden sind für mich schwer zu ertragen.

Jetzt wo wieder etwas Ruhe einkehrt, ich habe noch Urlaub, merke ich wie die Depression wieder stärker wird. Es wird dringend das ich mal wieder meinen Psycho-Dok aufsuche. Meine Medikamente sind zuende.

hartmut

 

25.8.2001

Über ein halbes Jahr ist jetzt zwischen dem letztem Eintrag und heute vergangen. Eine lange Zeit, eine kurze Zeit. Wie so vieles weiß ich nicht einmal das. Mein Besuch beim Psycho-Doc war eine kurze Sache. Der Doc hatte keine Zeit weil mit einem anderen Patienten beschäftigt. Ja der Psycho-Doc nimmt sich wirklich noch Zeit. Die Sprechstundenhilfe fragte ob es dringend sei. Feige wie ich bin sagte ich natürlich NEIN, ich brauche nur meine Medizin. Mit Hilfe dieser Lüge bin ich mit Rezept aus der Praxis geflohen. Warum ich nicht den Mut gehabt habe zu sagen, ja es ist dringend, nenne es einfach FEIGHEIT.

Die Zeit bis heute habe ich auch ohne Psycho-Doc überstanden. Es war mal wieder Ablenkung gefragt. Wie kann ich mich vor mir drücken. Arbeit ist ein gutes Mittel. Arbeiten wie ein Bergwerkspferd hilft. Keine Zeit über sich selber nachzudenken. Keine Zeit immer Druck. Immer immer bis es nicht mehr geht. Die Maske habe ich wieder ohne das ich es merkte wieder übergezogen, habe mich wieder selber und auch andere angelogen. Diese verlogene Maske, mit dem Dauergrinsen. So war es wieder ein auf und ab der Gefühle.

Wichtige Dinge bleiben liegen, unwichtige werden sofort erledigt. Beschäftigung ohne Sinn und Verstand.

Das Forum 3222. Wer die Seiten gelesen hat, weiß wie wichtig mir das Forum ist. Kabelwesen und Lil sind als FMs zurückgetreten. Kleine Sonne fragte mich ob ich FM werden will. Gerne nahm ich das Amt an. Kurze Zeit darauf wurde unser Forum mal wieder gelöscht. Mit Hilfe von Kabelwesen und Lil hatten wir schnell wieder das Forum eingerichtet. Dafür den beiden noch einmal herzlichen Dank. Kaputtbar ist dann noch als FM dazugekommen. Kleine Sonne ist danach auch als FM zurückgetreten. So hat sich der Wechsel der FMs vollzogen. Wer das Forum mal besuchen will, hier der Link www.zum3222.de.vu

Eine Grippe zwang mich wieder zur Besinnung. Obwohl ich krank war ging ich weiter zum arbeiten. Die Arbeit machte ich so gut wie es eben ging.

Endlich 3 Wochen Urlaub. Die erste Woche kurierte ich meine Grippe aus. War es wirklich die Grippe die ich auskurierte, oder hatte ich nur wieder eine Ausrede um mich zurück zuziehen? Die Frage kann ich auch wieder nicht beantworten. Alle Urlaubspläne wurden über den Haufen geschmissen. Wir fuhren dann doch noch einige Tage in Urlaub. Meine Partnerin bemerkte das mit mir etwas nicht stimmte. Doch wie tief ich wieder in meinen Depressionen gefangen bin, konnte sie nicht erahnen.

Die letzte Woche Urlaub habe ich mich dann wieder ganz zurückgezogen. Auch freute ich mich schon wieder auf die Arbeit. Weniger Zeit zum nachdenken, weniger Zeit zum grübeln.

Der Arbeitsbeginn verlief ganz normal. Doch mit meinen Depressionen wurde es nicht besser. Als ich gerade die Suchmaschinen im Internet plagte, kam meine Partnerin zu mir und begann über  das Thema heiraten zu sprechen. Bei dem Gedanken das sie Zukunftspläne macht, und ich Pläne über mein Ableben, musste ich grinsen. Mein Grinsen hat wohl zuviel verraten. Als ich dann noch die Suchergebnisse der Suchmaschinen präsentierte, war mal wieder alles klar.

Nun helfen keine Ausreden mehr. Meine Partnerin hat für sich, und für mich, Termine beim Psycho-Doc ausgemacht. Bei dem Besuch von ihr beim Psycho-Doc ging es wohl mehr um mich, als um Sie. Jetzt am Montag habe ich meinen Termin. Mal sehen ob ich es schaffe dort hinzugehen.

hartmut

 

27.10.2001

Jetzt war ich endlich beim Doc. Die Frage wie gehts? Alles bestens, wir haben beschlossen zu heiraten, bin in Hochstimmung, keine Probleme. Es geht nicht besser. Alles paletti.

Gehe zum Zahnarzt, und die Zahnschmerzen sind wie weggeblasen. Gehe zum Psychodoc, und im Kopf stimmt alles. Depressionen was ist das? Das war keine Maske, das war ich wirklich. Oder hat sich die Maske wieder so stark gefestigt, dass ich sie schon selber nicht mehr wahrnehme?

Ja, es ging mir gut. Meine Partnerin kennt meine Probleme. Sie weiß das ich Suizidgefährdet bin, und dennoch ist Sie das Risiko eingegangen mich zu heiraten. Zukunftsplanung mit einem Suizidler, der oft nicht bis morgen planen kann. Ist auf dieser Basis überhaupt Zukunftsplanung möglich? Wir sind das Risiko eingegangen. Eine Hochzeit in kleinem Rahmen, nur mit Menschen die uns viel bedeuten. Und vor allem zwei ehrliche Jas. Das ist inzwischen schon wieder 3 Wochen her.

Ein neues Internetprojekt, dass mich über Jahre beschäftigen kann. Neuer Lebensmut, neue Energie. Keine unlösbaren Probleme. Was solls, das Leben kann genossen werden.

Mit meinen Depressionen zu leben hätte ich gelernt, dachte ich. Auf Zeichen zu achten, um dagegen anzugehen, bevor sie sich auswirken, dachte ich, hätte ich gelernt.

Von einer Sekunde zur andern, hat sie mich wieder erwischt. Ohne Vorwarnung, ohne Anlass, einfach so war sie wieder da. Plötzlich verkrampfte sich wieder alles in mir, und ich lasse es mit mir geschehen. Soll sie doch gewinnen wenn es ihr so wichtig ist mich klein zukriegen. 

Es ist mir inzwischen Egal was geschieht. Soll es gehen wie es will, es geht mir nichts mehr an. Vielleicht finde ich endlich die Kraft dem Leiden ein Ende zu setzten.

hartmut

 

7.4.2002

Jetzt ist es mal wieder Zeit hier etwas zu schreiben. Leider nicht viel positives.

Wir haben so wie es geplant war am 2.November geheiratet. Das war auch schon das positive.

An Fasnacht wie es so im schwäbischen heist, war ich viel mit meinem kleinen Sohn zusammen. Wir bastelten zusammen ein Schwarzwaldhaus. Dabei lebte ich für kurze Zeit richtig auf. Doch als die Zeit vorbei war fiel ich sehr tief.

Die Depression hält mich weiter gefangen. Auch meiner Umwelt ist es schon stark aufgefallen. Oft werde ich darauf angesprochen. Auch habe ich für einfache Tätigkeiten nicht mehr die Kraft. ich habe versucht wieder meine Maske aufzusetzen. Der Versuch schlug völlig fehl. Es geht nicht mit der Maske zu leben, aber es geht auch bald nicht mehr ohne. Ständig darauf angesprochen zu werden, und ruhig bleiben. Meine Selbstmordgedanken nahmen wieder Verstärkt zu. Manches mal denke ich, es ist ein Wunder das ich noch lebe. Ob ich das noch lange durchhalte. Kann ich diesen Zustand anderen noch zumuten?

Seit etwa drei Wochen, es kann aber auch schon länger sein, bin ich wieder in Behandlung. Mir ist jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen. Meine Frau hat mich fast dazu gezwungen mal wieder zum Doc zu gehen. Dieses mal bin ich knapp an einer Zwangseinweisung herumgekommen. Auch das Angebot noch eine stationäre Therapie zu machen habe ich abgelehnt.  Die Medis die ich jetzt bekomme, vertrage ich nicht so gut. Zwar gehen die Depris zurück, aber die Nebenwirkungen sind für mich schlimm. Mein Psyo-Doc hat mit mir angefangen Therapiegesprächen zu führen. Morgen habe ich wieder einen Termin. Wahrscheinlich werde ich für die nächste Zeit die Therapie abbrechen, auch wenn dann wirklich eine Zwangseinweisung droht. Neben meinem Beruf kann ich im Moment nicht die Therapie durchführen. Obwohl die Gespräche bisher noch nicht zu tief gegangen sind, fühle ich mich total überfordert. Heute habe ich eines der Medikamente weggelassen. Es muss sowieso abgesetzt werden, und ich glaube das von diesem die meisten Nebenwirkungen kommen. Schon merke ich wieder verstärkt die Depression.

Wie, und ob es weitergeht? Egal

hartmut

 

 

 

12.04.2002

Der Tod ihres Vaters bedrückt meine Frau. Recht schnell ist er gestorben. "Bald bin ich ganz alleine", sagte meine Frau. Ich versuchte sie zu trösten, mit den Worten, "du hast doch noch mich". "Aber wie lange noch?" war die Antwort. Ja das sind Worte die zum nachdenken anregen. Ist es nicht selbstverständlich, dass ich für sie da bin?  Wie lange noch hält es mich in diesem Leben? Es ist merkwürdig, ausgerechnet an dem Tag als ihr Vater starb ging es mir vergleichsweise gut. Endlich wieder aus dem Loch herauskommen, endlich das bedrückende Gefühl nicht mehr spüren. Endlich wieder frei atmen können. 

Heute war die Trauerfeier. Abschied nehmen fällt schwer. Gerade für Menschen die solange beisammen waren, ist es besonders schwer. Gerne würde ich die Trauer von ihnen nehmen. Trauer ist aber wichtig, um das Geschehene zu verarbeiten. Wer will und kann soll für sie beten, ich kann es nicht.

Obwohl ich eigentlich einen Horror vor Kirche habe, bin ich doch mit zum Trauergottesdienst gegangen. Der Bruder des Verstorbenen ist Pfarrer, und er hielt den Gottesdienst. Während der Predigt musste er weinen. Hier war nicht der Pfarrer, der den Gottesdienst hielt, sondern der Bruder. Jeder hat das Recht um seinen Bruder zu weinen, egal wo er ist. Auch wenn es ihm "peinlich" war, ich danke ihm dafür. Für Tränen soll sich kein Mensch schämen. Tränen bedeuten Gefühl, und das macht die Menschen erst menschlich.

Die Therapie habe ich vorerst abgebrochen. Mein Psycho-Doc war sofort damit einverstanden. Sobald ich das Gefühl habe, die Therapie durchzuhalten, werde ich sie wieder aufnehmen. Ein Aufenthalt im Kloster Beuron wäre nicht schlecht für mich, glaubt mein Psycho-Doc. Es mag zwar etwas seltsam klingen, aber ich denke das meine Depressionen auch zum großen Teil mit meiner Einstellung zu Gott zusammen. Es ist auf alle Fälle ein Gedanke wert.

hartmut

7.09.2002

Warum gebt ihr immer Gott die schuld, war eine Frage im Gästebuch. Gebe ich wirklich Gott die schuld? Manches mal denke ich Gott hat die Lust an dieser Welt verloren. Das kann ich gut verstehen. 

Die Therapie habe ich wieder aufgenommen. Mein Suizid war schon geplant. Das Leben war wieder leicht geworden. Meine Leistungsfähigkeit stieg enorm. Bis zu meinem Tod wollte ich noch einiges regeln. Endlich hatte ich wieder ein Ziel das ich erreichen wollte. Meine Hinterlassenschaft ordnen. Doch meine Frau kam dahinter. 

Angst hatte meine Frau um mich. Angst etwas zu verlieren was sie liebt. Diese Angst kann ich verstehen. Auch ich habe schon viel verloren. Mit welchem Recht setze ich sie dieser Angst aus. Wie kann ich ihr diese Angst nehmen. Weder zum leben, noch zum sterben bin ich fähig. Wäre es nicht besser ich würde endlich sterben, damit sie einen neuen Anfang starten kann.

Sofort machte sie wieder einen Termin bei meinem Doc. Wieder versprechen bis zu einem bestimmten Termin keinen Suizid wenn ich keine Zwangseinweisung will . Wieder soll ich in eine Klink. Ich will in keine Klinik. Warum? Keine Ahnung. Keine negative Erinnerungen an meinen letzten Aufenthalt. 

Jetzt bin ich doch wieder bereit in die Klinik zugehen. Es war ein plötzlicher Entschluss. Es ist, denke ich, meine letzte Chance. Nicht sofort, sondern erst im November werde ich gehen. Keinen Suizid bis zum November, keinen Suizid während des Klinikaufenthalt. So hangel ich mich von Termin zu Termin.

Der Gedankenaustausch in den verschiedenen Suizidforen ist mir wichtig. Doch erst durch eine Frage von meiner Frau kam ich darauf, es gibt keine Foren für die Angehörigen. Jetzt gib es eines  Forum für Angehörige von Suizidgefährdeten . Warum bin ich noch nicht vorher auf diese Idee gekommen. Denke ich nur zu sehr an mich? Jetzt suche ich jemanden, der dieses Forum weiterführen will.

hartmut