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Ich habe Angst. 

Nicht um mich habe ich Angst, sondern um meinen Sohn. Er heißt Axel und ist 10Jahre alt, wohnt leider nicht bei mir. Sein Wesen ist meinem sehr ähnlich. Manchmal glaube ich mich selber wieder als Kind zu sehen, wenn ich ihn beobachte. Er braucht mir nichts zu sagen um zu wissen was er denkt. Diese Gleichheit des Geistes macht mir Sorgen. Habe ich meine Veranlagung zur Depression weitergegeben? Wie kann ich es erkennen, und wenn es so ist welche Möglichkeit ihm zu helfen habe ich. Der einzige Verlust den ich in meinem Leben mit Sicherheit nicht mehr verkraften kann, und wenn ich ehrlich bin auch nicht will, währe der Verlust meines Sohnes. Bis jetzt habe ich schon zu viele Menschen die mir etwas bedeuteten verloren. Es scheint wie ein Fluch zu sein. Bringe ich den Menschen denen ich mit Liebe begegne nur Unglück?

Wenn ich mich selber töte, kann es mein Sohn verkraften. Die Kinder von Selbstmördern sind eher bereit sich auch selbst zu töten. Löse ich durch meinen Tod seinen Tod aus?

Im Forum 3222 bin ich fast jeden Tag. Was mich dort sehr beschäftigt ist, das es dort sehr viele junge Menschen gibt, die bereit sind mit ihrem Leben abzuschließen. Das Forum ist für mich wichtig. Viele finden hier vielleicht ihren letzten Halt. Können auch zum erstenmal sagen wie sie sich fühlen. Was läuft in unserer Gesellschaft falsch, das junge Menschen die Zukunft nicht mehr erleben wollen. Ist mein Sohn in einigen Jahren auch in diesem Forum?

Haben die jungen Menschen keinen Ansprechpartner wo sie sich mal richtig ausweinen können. Der sie wirklich ernst nimmt. Es darf doch nicht sein, das sie das richtige Leben mit seinen Freuden, und natürlich auch mit den Verantwortungen nicht kennen lernen. Wird mein Sohn auch einmal in die Lage kommen, alleine zu sein wenn er dringend Hilfe braucht. Falls ich dann noch lebe, kann ich ihm dann diese Hilfe geben?

In meinem Beruf, ich bin Ausbilder, habe ich sehr viel mit jungen Menschen zu tun. Die meisten befinden sich am Ende Ihrer Ausbildung. Mit einem Elan wie manche ihre Zukunft planen, kann ich nicht glauben das so viele ihre Maske aufhaben. Nur selten läst der eine oder andere mal die Maske fallen, und sucht ein Gespräch. Warum haben so viele Angst sich jemanden anzuvertrauen. Es stimmt es gibt kein Patentrezept Probleme aus dem Weg zu räumen, aber oft hilft es schon seine Probleme nur einmal auszusprechen um selber eine Lösung zu finden. Wird mein Sohn sich einmal jemanden anvertrauen können?

Während meinem Klinikaufenthalt wurde natürlich auch über meinen Beruf gesprochen. Die Therapeutin meinte ich sei sehr ehrgeizig. Zuerst wollte ich das nicht glauben, denn das Meiste habe ich ohne große Anstrengungen erreicht. Doch nun muss ich sagen es stimmt. Bei sehr vielen Dingen die ich mache, stelle ich mir oft vor, ich würde es für meinen Sohn tun. Wird er jemanden haben dem die Menschen genauso wichtig sind wie mir?

Das sind nur einige Fragen vor deren Beantwortung Angst habe, und ich habe davor sehr viel Angst. Für meinen Sohn zu leben und solange es geht durchzuhalten ist im Moment mein einziges Ziel.

hartmut