» Es gibt Dinge die ich nicht verstehe und wohl
auch nie verstehen werde.
Ein kleines Mädchen
Diese Seite ist wiedereinmal ein Lebenslauf. Es geht hier um meine Frau
Elisabeth. Gestern war Ihr Todestag, und somit viel Gelegenheit zur Erinnerung.
Diese Seite nenne ich ein kleines Mädchen, weil Sie körperlich nicht sehr lang
war. Was ihren Mut und Wesen ausmachte, war sie allerdings sehr viel größer.
Elisabeth wurde 1955 in Frankreich geboren. Dort hatte sie noch sechs weitere
Geschwister. Es hätte also eine ganz normale Jugend werden können, wenn Ihre
Mutter nicht sehr früh gestorben wäre. Sieben Kinder sind eine ganze Menge für
einen alleinstehenden Vater, zumal die Kinder noch klein sind. Es war schwer,
doch machbar, bis ein Schlaganfall ihren Vater halbseitig lähmte. Ein Vater der
selber zum Pflegefall wurde kann sich leider nicht mehr um die Kinder kümmern.
So mussten alle Kinder in ein Kinderheim. Auch in einem Kinderheim können Kinder
aufwachsen und gedeihen. Ihr Vater heiratete wieder wohl mit dem Gedanken, seine
Kinder wieder zu sich zu holen. Daraus wurde leider nichts. Seine neue Frau
lehnte die Kinder ab. Mit 16Jahre wurde sie dann Mutter von meinem Adoptivsohn.
Sie lehnte eine Abtreibung ab, und entschied sich bewusst für das Kind. Mit
16Jahre ist ein Mensch kein Kind mehr, aber auch noch kein Erwachsener. Die
Ausbildung war noch nicht abgeschlossen. Ein Kind mit einem Kind in einem
Kinderheim das wäre zuviel gewesen. So musste ihr Sohn bei Pflegeeltern
untergebracht werden. Ein Freund machte gerade ein soziales Jahr in einem
Altersheim. Dort lernte ich sie kennen. Das alte Spiel verliebt verlobt
verheiratet begann. Wir gründeten eine Familie mit allem was dazu gehört. Es gab
Streit, und es gab wieder Versöhnung. Unsere Ehe war nicht besser und nicht
schlechter wie andere auch. Doch etwas war für Elisabeth neu. Eine richtige
Familie zu sein. Sie lebte richtig auf. Die Beziehung von ihr zu meiner Mutter
wurde immer herzlicher. Meine Mutter ist ein sehr mütterlicher Typ, und
Elisabeth wurde bald mehr Tochter, als ich Sohn blieb. Endlich hatte sie die
Mutter, die sie solange vermisst hatte. Das Leben war herrlich und wir planten
unsere Zukunft. Wie es dann weiterging habe ich schon in meinem Lebenslauf
beschrieben.
Die ganzen Schicksalsschläge haben sie wohl äußerlich hart werden lassen.
Innerlich war sie jedoch weich und zerbrechlich, und gleichzeitig doch so mutig
und tapfer, wie ich sonst noch keinen anderen Menschen getroffen habe. Der
Lebenswille und die Bereitschaft zu kämpfen hat mir imponiert. Von ihren
Geschwistern wurde sie nur Bebeth gerufen. Einmal habe ich sie auch so genannt.
"Für dich bin ich Elisabeth" sagte sie zu mir. Der Respekt den sie damit von mir
verlangte, gebe ich ihr gerne. Für den Mut und die Tapferkeit hat sie noch
vielmehr Respekt verdient.
Was ich bis heute nicht verstehe. Wie kann jemand ( "Gott" ) es zulassen,
ein kleines Mädchen so zu quälen? Die Kindheit mit der Mutter nehmen? Die Jugend
mit dem Vater nehmen? Vom Glück kosten lassen, und dann mit dem Tod nehmen?
Elisabeth ich liebe Dich noch immer
hartmut
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